{"id":337,"date":"2014-05-25T12:46:29","date_gmt":"2014-05-25T12:46:29","guid":{"rendered":"http:\/\/bioclips.info\/?p=337"},"modified":"2014-06-27T21:27:33","modified_gmt":"2014-06-27T19:27:33","slug":"risikosportart-minigolf-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bioclips.info\/?p=337","title":{"rendered":"Risikosportart Minigolf"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/bioclips.info\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Golfball.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-345\" alt=\"Golfball\" src=\"http:\/\/bioclips.info\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Golfball.jpg\" width=\"240\" height=\"180\" \/><\/a>Mit der Klasse 6a im Landheim.<\/em> Wie immer will ich im Landheim meinen Sch\u00fclern n\u00e4her kommen, eine p\u00e4dagogische Beziehung aufbauen, die die n\u00e4chsten Wochen ertr\u00e4glich macht. Nach einigen Gespr\u00e4chen, bei denen ich durch Zuh\u00f6ren ohne Wahrnehmung energiesparend Aufmerksamkeit simuliere, kommt Torben auf micht zu.\u00a0 Mit meiner Standardfrage er\u00f6ffne ich das Gepr\u00e4ch: &#8222;Was hast du denn am Wochenende gemacht?&#8220;. Die Antwort f\u00fchrt meine Wahrnehmung aus der D\u00e4mmerung. Torben war am Wochenende in Hamburg, seine Cousine hatte Firmung. Auf der Heimreise durfte er im Familien-Helikopter Copilot sein. Mir wird sofort klar, f\u00fcr eine erfolgreiche Landheimwoche muss ein echtes Event her. Meine Kollegin und ich entscheiden uns f\u00fcr Minigolf. Die Anlage liegt 5 Minuten Gehweg vom Landheim entfernt. \u00dcberzeugungsarbeit m\u00fcssen wir nicht leisten, es war eine Wanderung geplant (3 Stunden Gehweg).<\/p>\n<p>Voll p\u00e4dagogischer Energie erreichen wir den Golfplatz, die Klasse im Schlepptau. Die Sch\u00fcler werden beauftragt, die Anlage zu besichtigen und die Regeln auswendig zu lernen. Eine sinnvolle Aufgabe und Regeln verhindern Konfliktsituationen und damit die Verletzungsgefahr. Sicherheit geht uns Lehrern eben \u00fcber alles. Wir dagegen machen uns auf, Golfschl\u00e4ger, B\u00e4lle und Punktelisten im nahegelegenen Hotel zu besorgen. Vorauspreschend verlangt meine Kollegin vom Fr\u00e4ulein an der Rezeption 30 Schl\u00e4ger, 30 B\u00e4lle und die Punktelisten. Mein Risikobarometer schie\u00dft nach oben. Ich muss eingreifen. Jeder Sch\u00fcler ein Schl\u00e4ger und wir h\u00e4tten ein Gemetzel auf der Kleingolfbahn. Von den B\u00e4llen scheint mir noch keine Gefahr auszugehen. Ich sollte mich t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Tellerlau, es regnet, die Kleingolfbahn ist glitschig. Trotz suboptimaler Bedingungen machen die Kinder einen begeisterten Eindruck. Ich kann es nicht fassen, welche Suggestivwirkung von diesem Spiel ausgeht. Alles ist perfekt. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie Bengt um das gr\u00fcne Fangtuch von Anlage 18 herumschleicht, die dazu gemacht ist, den Ball \u00fcber eine Rampe in ein aufrecht stehendes Keschernetz zu spielen. Bei Fehlschl\u00e4gen beendet das Tuch den Flugversuch des Balles. Eigentlich eine sichere Sache, wenn auch nicht besonders spannend. Trotzdem ist Bengt immer noch mit seiner Untersuchung besch\u00e4ftigt. Nichts Gutes ahnend, nehme ich ihn ins Visier. Das Loch im Fangtuch hat die Gr\u00f6\u00dfe eines Golfballes. Ich bemerke es erst, als sich Bengts Kopf zum Loch bewegt. Zu klein, denke ich, keine Gefahr. Da kommt der Aufschrei. Der Versuch durchzuschauen, wird hart bestraft. Das Unm\u00f6gliche geschieht, der Ball presst sich durch die \u00d6ffnung und reist eine Schneise in die Augenbraue von Bengt, die umgehend in Rot eine Verletzung signalisiert. Abbrechen, denke ich, die Kinderaugen wollen etwas anderes. Was solls, sowas passiert im Leben nur einmal. Manchmal wird das Unm\u00f6gliche eben wahr. H\u00e4tte ich doch auf meine erste Eingebung geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Im Sekundentakt fliegen die B\u00e4lle in Richtung Loch, wobei sie es mit der Richtung nicht so genau nehmen. Golf ist eben eine Pr\u00e4zisionssportart. Zeit f\u00fcr einen Kaffee. Ich melde mich ab und suche das Hotel auf, um mittels Coffein die Geister der Nachtwache zu vertreiben.\u00a0 Bei meiner R\u00fcckkehr l\u00e4sst die Haufenbildung in der Spielfeldmitte nichts Gutes erahnen. Annemarie weint. Das Blut in ihrem Mundwinkel folgt der Schwerkraft. Meine Kollegin ist bereits dabei, die Spuren der Verletzung zu beseitigen. Ich schicke Lukas und J\u00f6rn ins Hotel. Sie sollen Eis holen. Eine Vernehmung von Annemarie ist nicht m\u00f6glich, der Schock sitz tief. Der Klassenrest hat wie immer nichts gesehen.<br \/>\n&#8222;Ein Weiterspielen ist nur m\u00f6glich, wenn ich wei\u00df, wie das passiert ist&#8220;, starte ich einen Erpressungsversuch. Nicht unbedingt p\u00e4dagogisch, aber mit schneller Wirkung. &#8222;Annemarie wollte nur mal schauen, ob Christin den Ball trifft&#8220;, bricht Bengt das Schweigen. Gott sei dank, keine Absicht und damit keine wochenlange Verhaltenstherapie beim Vertrauenslehrer. Warum Annemarie dies im Schl\u00e4gerradius machen musste, will ich gar nicht wissen. Ein Blick auf die obere Reihe exakt platzierter Z\u00e4hne (An dieser Stelle Dank allen Kieferorthop\u00e4den!) zeigt keine L\u00fccken, die Fleischwunde an der Oberlippe wird schnell heilen.<\/p>\n<p>Ein Weiterspielen ist bei einer Verletzungsrate von 2 Sch\u00fclern pro Stunde f\u00fcr uns nicht mehr m\u00f6glich. Das Risiko ist zu gro\u00df, wer wei\u00df, was noch passiert. Wir brechen das Turnier ab und ernten daf\u00fcr v\u00f6lliges Unverst\u00e4ndnis. &#8222;Bei dieser Menge von Verletzungen&#8220;, erkl\u00e4re ich den Kindern, &#8222;muss eine schriftliche Genehmigung der Eltern vorliegen, denn jetzt handelt es sich bei Minigolf um eine Risikosportart.&#8220; Die nonverbale Analyse ist eindeutig, sie glauben mir nicht.<\/p>\n<p>Eins ist auf alle F\u00e4lle klar,\u00a0 Helikopter fliegen ist sicherer und Golfschl\u00e4ger aus Plaste mit einem Schl\u00e4gerkopf aus Schaumstoff sind empfehlenswert.<\/p>\n<p>Nachtrag: Eigentlich gab es noch einen dritten Unfall. Tim hat ebenfalls einen Ball vor den Kopf bekommen. Aber, wenn ich das hier aufschreibe, bekomme ich \u00c4rger mit der Schulaufsicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Klasse 6a im Landheim. Wie immer will ich im Landheim meinen Sch\u00fclern n\u00e4her kommen, eine p\u00e4dagogische Beziehung aufbauen, die die n\u00e4chsten Wochen ertr\u00e4glich macht. 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