{"id":260,"date":"2014-05-24T09:55:26","date_gmt":"2014-05-24T09:55:26","guid":{"rendered":"http:\/\/bioclips.info\/?p=260"},"modified":"2014-05-24T15:51:57","modified_gmt":"2014-05-24T15:51:57","slug":"die-handykiste-einen-digitalen-enzug-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bioclips.info\/?p=260","title":{"rendered":"Die Handykiste &#8211; einen digitalen Entzug machen"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/bioclips.info\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/handykiste.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-323\" alt=\"Weg mit den Handy\" src=\"http:\/\/bioclips.info\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/handykiste.jpg\" width=\"120\" height=\"132\" \/><\/a>Mit der Klasse 6a im Landheim.<\/em> Mit einem angespitzten p\u00e4dagogischen Konzept sind meine Kollegin und ich gut vorbereitet, um im Landheim angestauten Erziehungsdefiziten den Kampf anzusagen. Ein wesentlicher Baustein ist die &#8222;Handykiste&#8220;. Die Kinder sollen eine Woche nur begrenzt Zugriff auf das suchtgef\u00e4hrdende Ger\u00e4t erhalten und zwar in einer festgelegten Zeit. Eine h\u00fcbsche Idee, denke ich. Eine Woche ohne Handy, den Kopf v\u00f6llig leer machen, digitale Abstinenz kennenlernen. Die Handynutzung wird auf 2 Stunden beschr\u00e4nkt, den Rest des Tages rekeln sie sich in der Handykiste.<\/p>\n<p>Tag 1 verl\u00e4uft wie geplant. Schon vor der ausgemachten Zeit stehen die Sch\u00fcler Schlange zur Handyausgabe. Ein Sch\u00fcler fehlt, bemerkt meine Kollegin. Der Vollst\u00e4ndigkeit halber wird er geholt. Sein Kontaktbed\u00fcrfnis ist offenkundig, es nicht vorhanden. Dem Kind ohne Suchtgef\u00e4hrdung wird trotz allem sein Ger\u00e4t ausgeh\u00e4ndigt. Das w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner. Nun geht\u00b4s los: Mutti anrufen, Vati anrufen, sich untereinander anrufen. Ganz normal, denke ich. Es scheint alles in Ordnung. Die Abgabe verl\u00e4uft ger\u00e4uschlos. Entzugserscheinungen sind nicht zu beobachten.<\/p>\n<p>Tag 2.\u00a0 Der Gedanke mal rauszugehen, ist weit weg. Kinder der Gro\u00dfstadt. Ich beobachte die leere Spielwiese vor dem Haus, um dem Toben im Haus zu entkommen. Die Schlange der Handyausgabe hat sich halbiert. Ok, sage ich mir, gestern wurde alles gekl\u00e4rt, heute gibt es wahrscheinlich nichts zu erz\u00e4hlen. Ein freiwilliger Verzicht auf den Suchtausl\u00f6ser, sehr lobenswert. Punkt 17.15 Uhr bemerke ich, wie die Handykiste anf\u00e4ngt, sich in Richtung Tischkante zu bewegen. Ich mache den Deckel auf und sehe, wie 5 &#8211; 6 Ger\u00e4te versuchen durch Vibration auf sich aufmerksam zu machen. Serviceorientiert ergreife ich die Kiste und laufe los. Nachdem ich alle gefunden habe, bin ich schwei\u00dfgebadet. Die Ma\u00dfnahme die darauf folgt, ist nur konsequent. Alle Kinder schalten ihr Handy aus.<\/p>\n<p>Tag 3. Bei der Handyausgabe lungern zwei Sch\u00fcler herum. Die kleinen Nerds erhalten ihr Ger\u00e4t und verschwinden damit in Richtung Aufenthaltsraum. Argw\u00f6hnisch beobachte ich die Kiste mit dem weggesperrten Suchtmittel. Meine Handy zeigt 17.15 Uhr, alles ruhig. 17.20 Uhr, Kiste ruhig, ich nicht. 17.25 Uhr geht\u00b4s los. Der Mobilfunkknochen meiner Kollegin f\u00e4ngt an zu bellen. Ihr SMS-Postfach l\u00e4uft voll, Whats App \u00fcberschl\u00e4gt sich, es klingelt: Die Kinder sind nicht erreichbar.\u00a0 Sofort purzzelt ein Gedanke in meinen neuronalen Arbeitsspeicher: Eine Suchtgef\u00e4hrtung der anderen Art. Wir haben noch viel zu tun. Kindergebr\u00fcll im Keller macht mich auf ein andere Erziehungsbaustelle aufmerksam&#8230;<\/p>\n<p>Hier noch meine Einsch\u00e4tzung zur Handykiste: Als Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahme f\u00fcr alle Beteiligten einfach nur top. Und vor allem bin ich froh, dass mir die digitale Nabelschnurverl\u00e4ngerung erspart geblieben ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Klasse 6a im Landheim. Mit einem angespitzten p\u00e4dagogischen Konzept sind meine Kollegin und ich gut vorbereitet, um im Landheim angestauten Erziehungsdefiziten den Kampf anzusagen. Ein wesentlicher Baustein ist die &#8222;Handykiste&#8220;. Die Kinder sollen eine Woche nur begrenzt Zugriff auf das suchtgef\u00e4hrdende Ger\u00e4t erhalten und zwar in einer festgelegten Zeit. 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